Risiko

Risikomaße lesen, ohne ihnen zu vertrauen

Risikomaße sollen das Unsichtbare fassbar machen: Wie stark kann ein Portfolio schwanken, wie tief kann es fallen, wie viel kann in einem begrenzten Zeitraum verloren gehen? Drei Maße sind besonders verbreitet – und jedes hat eine eigene Art zu schweigen.

Volatilität – das Maß der alltäglichen Schwankung

Die Volatilität misst, wie stark die Werte um ihren Mittelweg schwanken. Sie ist einfach zu berechnen und deshalb beliebt. Ihr Nachteil: Sie betrachtet Auf- und Abwärtsbewegungen symmetrisch. Ein Wert, der nach oben springt, erhöht die Volatilität ebenso wie ein Absturz. Für Anlegerinnen und Anleger, die Verluste anders bewerten als Gewinne, ist das ein blinder Fleck.

Drawdown – die Tiefe aus dem Hoch

Der Drawdown misst den Verlust vom bisherigen Höchststand bis zum tiefsten Punkt. Er ist anschaulicher als die Volatilität, weil er eine konkrete Zahl nennt: „Der Wert fiel um 28 % vom Hoch.“ Was er nicht zeigt, ist die Dauer. Ein Drawdown von 20 %, der ein Jahr besteht, ist eine andere Belastung als derselbe Drawdown, der eine Woche später aufgelöst ist.

Value-at-Risk – die Aussage mit Vorbehalt

Der Value-at-Risk (VaR) nennt jenen Verlust, der in einem bestimmten Zeitraum mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Klingt präzise, ist es aber nur unter einer Voraussetzung: dass die Renditen einigermaßen normalverteilt sind. In Krisen, in denen die Verteilung sich verändert, wird der VaR regelmäßig unterschritten – oft genau dann, wenn er am meisten gebraucht wird.

Wie man die Maße zusammen liest

Keines dieser Maße ist falsch. Jedes beleuchtet eine andere Seite. Wer sie zusammen liest, erhält ein klareres Bild: Wie stark schwankt der Wert, wie tief kann er fallen, wie viel ist in einem Stressszenario denkbar? Wer nur eines davon nennt, malt ein unvollständiges Bild – und das ist das eigentliche Risiko.

Hinweis: Der Beitrag „Risikomaße lesen, ohne ihnen zu vertrauen“ ist eine redaktionelle Sachdarstellung und weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Erwerb oder Verkauf von Finanzinstrumenten.

← Zurück zur Übersicht